Angehörige stützt eine ältere Frau beim vorsichtigen Aufstehen aus dem Sessel
Beschwerden

Stürze bei Parkinson: Ursachen und Vorbeugung

2 Min. Lesezeit

Stürze zählen zu den häufigsten und folgenreichsten Komplikationen einer Parkinson-Erkrankung: Mehr als die Hälfte der Betroffenen stürzt mindestens einmal pro Jahr. Die Angst vor dem nächsten Sturz schränkt viele zusätzlich in ihrer Bewegungsfreiheit ein.

Dieser Artikel erklärt, warum das Sturzrisiko bei Parkinson erhöht ist, welche oft übersehene Rolle der Blutdruck dabei spielt und mit welchen Maßnahmen Betroffene und Angehörige gezielt vorbeugen können.

Warum das Sturzrisiko bei Parkinson erhöht ist

Stürze bei Parkinson haben selten eine einzelne Ursache, meist wirken mehrere Faktoren zusammen:

Nachlassende Haltungsreflexe

Die sogenannten posturalen Reflexe gleichen normalerweise jede kleine Schwankung automatisch aus. Bei Parkinson lassen sie im Krankheitsverlauf nach, sodass der Körper ein beginnendes Ungleichgewicht nicht mehr schnell genug abfangen kann.

Verändertes Gangbild und Freezing

Kleinschrittiger, schlurfender Gang, reduziertes Mitschwingen der Arme und plötzliche Bewegungsblockaden („Freezing of Gait”), besonders in engen Passagen, an Türschwellen oder beim Umdrehen, erhöhen die Stolper- und Sturzgefahr deutlich.

Blutdruckabfall beim Aufstehen

Ein oft unterschätzter Faktor: Parkinson kann das vegetative Nervensystem beeinträchtigen, das den Blutdruck beim Lagewechsel nachregelt. Zusätzlich senken einige Parkinson-Medikamente den Blutdruck. Die Folge ist eine orthostatische Hypotonie, bei der der Blutdruck beim Aufstehen absackt und es zu Schwindel, Benommenheit oder Schwarzwerden vor den Augen kommt. Viele Stürze, die wie „Stolpern” aussehen, haben in Wirklichkeit diese Kreislaufkomponente.

Weitere Faktoren

Muskelabbau, nachlassendes Sehvermögen, Schlafstörungen mit Tagesmüdigkeit sowie Mehrfachmedikation können das Risiko zusätzlich erhöhen.

Blutdruck gezielt im Blick behalten

Weil der Kreislauf so eine wichtige Rolle spielt, lohnt sich ein systematischer Blick darauf:

  • Blutdruck im Liegen und im Stehen messen (nach 1 und 3 Minuten Stehen), so lässt sich ein orthostatischer Abfall erkennen. Besprechen Sie auffällige Werte mit dem behandelnden Arzt.
  • Symptome protokollieren: Notieren Sie, wann Schwindel auftritt, etwa nach dem Aufstehen, nach Mahlzeiten oder zu bestimmten Medikamentenzeiten. Ein einfaches Tagebuch hilft dem Arzt bei der Einordnung.
  • Nach dem Essen aufpassen: Nach größeren Mahlzeiten fließt viel Blut in den Verdauungstrakt, der Blutdruck kann zusätzlich absinken (postprandiale Hypotonie). Mehrere kleine Mahlzeiten sind günstiger.

Wichtig: Die Einstellung der Parkinson-Medikamente und jede Behandlung des Blutdrucks gehören in die Hand des behandelnden Neurologen bzw. der Neurologin. Ändern Sie Medikamente nie eigenständig.

Sturzrisiko im Alltag senken

Bewegung und Training

Regelmäßige Physiotherapie mit Gleichgewichts- und Krafttraining ist die wirksamste Einzelmaßnahme gegen Stürze. Auch parkinsonspezifische Trainingsprogramme, Tai-Chi oder Tanzen verbessern nachweislich Gangsicherheit und Balance.

Die Wohnung sturzsicher machen

  • Stolperfallen entfernen: lose Teppiche, Kabel, Türschwellen
  • Gute Beleuchtung, auch nachts (Bewegungsmelder im Flur)
  • Haltegriffe in Bad und Toilette, rutschfeste Matten
  • Häufig genutzte Gegenstände in Greifhöhe lagern

Kreislauf unterstützen

  • Langsam und in Etappen aufstehen: aufsetzen, kurz warten, Beine aktivieren, dann aufstehen
  • Über den Tag ausreichend trinken
  • Kompressionsstrümpfe können das Versacken des Bluts in den Beinen verringern, die Anwendung mit dem Arzt besprechen

Hilfsmittel nutzen

Festes, rutschfestes Schuhwerk, bei Bedarf Gehstock oder Rollator (vom Sanitätshaus richtig eingestellt), Hüftprotektoren für besonders sturzgefährdete Personen und ein Hausnotrufsystem für Alleinlebende.

Nach einem Sturz: immer ernst nehmen

Jeder Sturz, auch ohne sichtbare Verletzung, sollte dem behandelnden Arzt berichtet werden. Nach Stürzen mit Kopfanprall, starken Schmerzen, Verwirrtheit oder wenn das Aufstehen nicht mehr allein gelingt, gilt: sofort ärztliche Hilfe holen. Häufen sich Stürze oder Beinahe-Stürze, sollte die Therapie überprüft werden, oft lässt sich durch Anpassung von Training, Hilfsmitteln und Medikation viel erreichen.

Häufige Fragen

Warum stürzen Menschen mit Parkinson so häufig?

Bei Parkinson kommen mehrere Faktoren zusammen: Die Haltungsreflexe, die uns normalerweise automatisch im Gleichgewicht halten, lassen nach. Der Gang wird kleinschrittiger, plötzliche Blockaden (Freezing) können mitten in der Bewegung auftreten. Zusätzlich kann der Blutdruck beim Aufstehen stark abfallen, Schwindel und Stürze sind die Folge.

Was hat der Blutdruck mit Stürzen bei Parkinson zu tun?

Parkinson kann das vegetative Nervensystem betreffen, das den Blutdruck beim Lagewechsel reguliert; Mediziner sprechen hier von neurogener orthostatischer Hypotonie. Auch einige Parkinson-Medikamente senken den Blutdruck zusätzlich. Fällt der Druck beim Aufstehen stark ab, drohen Schwindel, Benommenheit und Stürze. Deshalb gehört die Blutdruckmessung im Liegen und im Stehen zur Abklärung dazu.

Was sollten Angehörige nach einem Sturz tun?

Bewahren Sie Ruhe und helfen Sie beim langsamen Aufrichten, erst in den Sitz, dann mit stabiler Unterstützung in den Stand. Nach jedem Sturz mit Verletzung, Kopfanprall oder anschließender Verwirrtheit sollte ärztliche Hilfe geholt werden. Auch sturzfreie Beinahe-Stürze sollten dem behandelnden Neurologen berichtet werden, denn sie sind ein wichtiges Warnsignal.

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Quellen & Hinweise

  • • Deutsche Gesellschaft für Neurologie – Leitlinie Parkinson-Krankheit
  • • Deutsche Gesellschaft für Neurologie – Leitlinien zu orthostatischer Hypotonie
  • • Medizinische Fachliteratur zu Sturzprävention im Alter
  • • Medizinisch geprüft durch Medizinischer Redakteur · Letzte Prüfung: 29. Juli 2026