Person greift sich bei aufziehendem Wetterumschwung wegen Schwindel an den Kopf

Wetterfühligkeit: Wenn der Wetterumschwung auf den Kreislauf schlägt

Das Wetter kippt, und der Körper kippt mit: Schwindel, Mattigkeit, Kopfdruck, weiche Knie. Rund die Hälfte der Menschen in Deutschland bezeichnet sich als wetterfühlig, und besonders häufig trifft es diejenigen, deren Blutdruck ohnehin eher niedrig ist.

Auf dieser Seite erfahren Sie, was hinter Wetterfühligkeit steckt, warum gerade Wetterumschwünge den Kreislauf aus dem Takt bringen, welche Wetterlagen typisch sind und wie Sie Ihren Kreislauf so trainieren, dass er Wetterwechsel besser wegsteckt.

Verfasst von der Robugen Gesundheitsredaktion · Geprüft von Dr. Friedrich Mai · am 20. Juni 2026

Was ist Wetterfühligkeit?

Wetterfühligkeit (medizinisch auch Meteorosensitivität) bezeichnet körperliche Beschwerden, die zeitlich mit Wetterwechseln zusammenfallen: Schwindel, Kreislaufschwäche, Abgeschlagenheit, Kopfdruck oder Konzentrationsprobleme. Sie ist keine eigenständige Krankheit, sondern eine verstärkte Reaktion des vegetativen Nervensystems auf Reize wie Temperatursprünge, Luftdruckschwankungen und wechselnde Luftfeuchtigkeit.

Das Phänomen ist weit verbreitet: In Umfragen des Deutschen Wetterdienstes gibt etwa jeder zweite Erwachsene in Deutschland an, dass das Wetter seine Gesundheit beeinflusst. Frauen berichten häufiger über Beschwerden als Männer, und mit dem Alter nimmt die Empfindlichkeit tendenziell zu.

Wichtig zur Einordnung: Ein gesunder Kreislauf gleicht Wetterreize normalerweise unbemerkt aus. Wetterfühlig zu sein bedeutet, dass diese Anpassung spürbar wird, meist weil die Kreislaufregulation ohnehin an ihrer Grenze arbeitet, zum Beispiel bei konstitutionell niedrigem Blutdruck.

Warum Wetterumschwünge den Kreislauf fordern

Der Körper hält seine Kerntemperatur konstant, indem er die Blutgefäße der Haut je nach Außentemperatur verengt oder weitet. Genau dieser Mechanismus wird bei einem Wetterumschwung zur Belastungsprobe:

Rasche Erwärmung lässt den Blutdruck sinken

Zieht warme Luft auf, weitet der Körper die Hautgefäße, um Wärme abzugeben. Mehr Blut fließt in die Körperperipherie, der Blutdruck im Gesamtsystem sinkt. Menschen mit niedrigem Blutdruck haben hier wenig Reserve: Bei ihnen fällt der Druck schneller unter die Schwelle, ab der das Gehirn kurzzeitig schlechter durchblutet wird, und es kommt zu Schwindel und Benommenheit.

Luftdruck- und Temperatursprünge kosten Anpassungsarbeit

Beim Durchzug von Wetterfronten ändern sich Luftdruck, Temperatur und Luftfeuchtigkeit oft innerhalb weniger Stunden. Das vegetative Nervensystem muss Gefäßweite, Herzfrequenz und Blutdruck laufend nachregeln. Je schneller und stärker der Wechsel, desto mehr Menschen spüren die Umstellung, besonders in den Übergangsjahreszeiten Frühjahr und Herbst, wenn sich Warm- und Kaltluftmassen häufig abwechseln.

Schwüle verschärft die Lage

Bei schwül-warmer Luft, etwa vor Sommergewittern, funktioniert die Kühlung durch Schwitzen schlechter, weil der Schweiß kaum verdunstet. Der Körper hält die Hautgefäße dauerhaft weit gestellt, der Blutdruck bleibt entsprechend niedrig, und das Kreislaufsystem läuft über Stunden im Belastungsmodus.

Übrigens: Geht es nicht um den Wetterwechsel, sondern um anhaltend hohe Sommertemperaturen, finden Sie die passenden Informationen und Sofortmaßnahmen im Artikel Schwindel bei Hitze.

Typische Wetterlagen, die Beschwerden auslösen

  • Rascher Warmlufteinbruch: Temperaturanstieg um mehr als 6–8 °C innerhalb eines Tages
  • Föhnlagen: warme Fallwinde, klassisch im Alpenvorland, oft mit Kopfschmerzen und Unruhe verbunden
  • Schwül-warme Gewitterluft: hohe Luftfeuchtigkeit bei Wärme, häufig vor Frontendurchzug
  • Markante Kaltfronten: Temperatursturz mit Wind und Luftdruckanstieg
  • Übergangsjahreszeiten: häufige Wechsel zwischen Warm- und Kaltluft im Frühjahr und Herbst

Typische Symptome bei Wetterfühligkeit

  • Schwindel und Benommenheit, oft schon Stunden vor dem spürbaren Wetterwechsel
  • Kreislaufschwäche, Mattigkeit und rasche Erschöpfung
  • Kopfdruck oder Kopfschmerzen
  • Konzentrationsprobleme und Reizbarkeit
  • Herzklopfen, weiche Knie
  • Schlafstörungen an Umschwungtagen

Die Beschwerden klingen in der Regel ab, sobald sich die Wetterlage stabilisiert hat und der Kreislauf sich auf die neuen Bedingungen eingestellt hat.

Wer ist besonders wetterfühlig?

  • Menschen mit niedrigem Blutdruck (Hypotonie), deren Kreislauf schon unter Normalbedingungen nahe der Untergrenze arbeitet
  • Junge, schlanke Frauen, bei denen konstitutionell niedriger Blutdruck häufig ist
  • Ältere Menschen, deren Gefäße und Kreislaufregulation langsamer reagieren
  • Menschen mit Migräne oder chronischen Schmerzen, deren Beschwerden sich an Umschwungtagen oft verstärken
  • Personen, die sich überwiegend in Innenräumen aufhalten, deren Kreislauf Wetterreize kaum noch gewohnt ist

Der letzte Punkt erklärt auch, warum Wetterfühligkeit in modernen Alltagsroutinen eher zunimmt: Wer sich fast nur in klimatisierten oder beheizten Räumen bewegt, nimmt seinem Kreislauf das tägliche Training im Umgang mit Temperaturreizen.

Kreislauf trainieren: die wirksamste Vorbeugung

Wetterfühligkeit lässt sich nicht abschalten, aber der Kreislauf lässt sich trainieren, sodass Wetterwechsel ihn weniger aus der Bahn werfen:

Raus an die Luft, bei jedem Wetter

Tägliche Bewegung im Freien, auch bei Wind, Regen oder Kälte, ist das beste Anpassungstraining. Schon ein flotter Spaziergang von 30 Minuten konfrontiert die Gefäße mit natürlichen Temperaturreizen und hält die Regulation reaktionsfähig.

Wechselduschen und Sauna

Wechselduschen mit kaltem Abschluss und regelmäßige Saunagänge mit anschließender Abkühlung trainieren gezielt das schnelle Engstellen und Weiten der Gefäße, genau die Fähigkeit, die bei Wetterumschwüngen gebraucht wird.

Ausreichend trinken

Ein gut gefülltes Gefäßsystem verkraftet Blutdruckschwankungen besser. Trinken Sie regelmäßig über den Tag verteilt, an warmen Umschwungtagen entsprechend mehr.

Regelmäßiger Schlaf und leichte Kost

Ein stabiler Schlafrhythmus entlastet das vegetative Nervensystem. An Umschwungtagen sind mehrere kleine, leichte Mahlzeiten günstiger als üppige Gerichte, denn nach großen Mahlzeiten sinkt der Blutdruck zusätzlich.

Biowetter nutzen, ohne sich einzuschränken

Die Biowettervorhersage (etwa vom Deutschen Wetterdienst) hilft, belastende Tage einzuplanen, zum Beispiel anstrengende Termine zu entzerren. Sie sollte aber kein Anlass sein, sich drinnen zu verschanzen: Schonung verstärkt die Wetterfühligkeit auf Dauer, Training verringert sie.

Was tun, wenn der Kreislauf akut absackt?

Setzen oder legen Sie sich zunächst hin und lagern Sie die Beine hoch, damit das Blut zurück zum Oberkörper fließen kann. Trinken Sie ein großes Glas Wasser und sorgen Sie für frische, kühle Luft, etwa am offenen Fenster. Zusätzlich hilft es, kaltes Wasser über die Unterarme laufen zu lassen, denn das verengt die Gefäße und stabilisiert den Kreislauf. Stehen Sie erst dann wieder langsam auf, wenn der Schwindel vollständig abgeklungen ist.

Wann zum Arzt?

Wetterfühligkeit selbst ist harmlos, aber sie kann Beschwerden überdecken, die abgeklärt gehören. Lassen Sie Ihre Symptome ärztlich untersuchen, wenn:

  • Schwindel und Kreislaufschwäche neu, ungewöhnlich heftig oder unabhängig vom Wetter auftreten,
  • es zu Ohnmachten oder Beinahe-Ohnmachten kommt,
  • Warnzeichen wie Brustschmerz, Atemnot, Herzstolpern oder neurologische Symptome hinzukommen,
  • Sie blutdrucksenkende oder entwässernde Medikamente einnehmen,
  • Sie unsicher sind, ob ein niedriger Blutdruck hinter den Beschwerden steckt.

Eine Blutdruckmessung im Liegen und im Stehen beim Hausarzt bringt oft schnell Klarheit darüber, ob eine hypotone Kreislaufregulationsstörung die Ursache ist.

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Häufige Fragen

Was ist Wetterfühligkeit genau?

Wetterfühligkeit beschreibt körperliche Beschwerden, die im Zusammenhang mit Wetterwechseln auftreten, typischerweise Schwindel, Kreislaufschwäche, Müdigkeit oder Kopfschmerzen. Sie ist keine eigenständige Krankheit, sondern eine verstärkte Reaktion des Körpers auf Reize wie Temperatur- und Luftdruckschwankungen. Menschen mit niedrigem Blutdruck reagieren dabei häufig besonders empfindlich.

Warum wird mir bei Wetterumschwung schwindelig?

Bei einem Wetterwechsel muss der Körper seine Gefäßweite und damit den Blutdruck an neue Temperatur- und Luftdruckverhältnisse anpassen. Steigen die Temperaturen rasch an, weiten sich die Gefäße und der Blutdruck sinkt. Wer ohnehin niedrige Werte hat, spürt diese Anpassung als Schwindel, Benommenheit oder Flimmern vor den Augen, bis sich der Kreislauf auf die neue Wetterlage eingestellt hat.

Welches Wetter verursacht am häufigsten Kreislaufprobleme?

Belastend sind vor allem rasche Übergänge: ein plötzlicher Warmlufteinbruch, schwül-warme Gewitterluft, Föhnlagen und die typischen Umschwungphasen im Frühjahr und Herbst. Entscheidend ist weniger die absolute Temperatur als das Tempo des Wechsels, denn je schneller sich das Wetter ändert, desto mehr Anpassungsarbeit muss der Kreislauf in kurzer Zeit leisten.

Was kann ich gegen Wetterfühligkeit tun?

Am wirksamsten ist regelmäßiges Kreislauftraining: Wechselduschen, Saunagänge, tägliche Bewegung an der frischen Luft, und zwar bei jedem Wetter. So lernt der Körper, Gefäße schnell zu verengen und zu weiten. Zusätzlich helfen ausreichend Trinken, regelmäßiger Schlaf und leichte Mahlzeiten an Umschwungtagen. Wer sich bei schlechtem Wetter dauerhaft drinnen verschanzt, verstärkt die Empfindlichkeit eher.

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Quellen

  • • Deutscher Wetterdienst (DWD) – Informationen zum Biowetter und Umfragen zur Wetterfühligkeit in Deutschland
  • • Deutsche Gesellschaft für Neurologie – Leitlinien zu Schwindel und orthostatischer Hypotonie
  • • Medizinische Fachliteratur zu Wetterfühligkeit (Meteorosensitivität) und Kreislaufregulation
  • • ¹ Schandry R. et al. Z Phytotherapie 2023;44(02):72–77
  • • ² Bose B. et al. Z Phytotherapie 2011;32:S1
  • • ³ Kroll M. et al. Phytomedicine 2005;12(6–7):395–402
  • • ⁴ Csupor D. et al. Phytomedicine 2019;63:152984