Mutter mit Kleinkind auf dem Schoß blickt am Fensterplatz aus dem Flugzeugfenster
Alltagsratgeber

Schwindel im Flugzeug: Ursachen und Tipps für die Reise

3 Min. Lesezeit

Kaum hebt die Maschine ab, beginnt der Kopf zu schwimmen, oder der Schwindel kommt beim Aufstehen nach stundenlangem Sitzen in der engen Kabine. Viele Menschen kennen Schwindelgefühle rund ums Fliegen, und meist stecken gut erklärbare Mechanismen dahinter.

Hier erfahren Sie, warum das Flugzeug eine besondere Umgebung für Kreislauf und Gleichgewichtssinn ist und mit welchen einfachen Maßnahmen Sie vor, während und nach dem Flug gegensteuern können.

Warum gerade im Flugzeug Schwindel entsteht

Die Flugkabine ist für den Körper eine ungewohnte Umgebung, in der gleich mehrere Faktoren Kreislauf und Gleichgewichtssinn gleichzeitig fordern:

Verringerter Kabinendruck

Während des Flugs entspricht der Druck in der Kabine etwa der Luft in 2.000 bis 2.400 Metern Höhe. Das Blut nimmt dadurch etwas weniger Sauerstoff auf. Gesunde Menschen merken davon meist nichts, empfindliche Personen reagieren aber mit Benommenheit oder Kopfdruck.

Sehr trockene Kabinenluft

Die Luftfeuchtigkeit an Bord liegt oft unter 20 Prozent. Der Körper verliert über Atmung und Haut mehr Flüssigkeit als gewohnt, und ein leichter Flüssigkeitsmangel gehört zu den häufigsten Auslösern von Schwindel und Mattigkeit.

Langes Sitzen

Bei stundenlangem Sitzen versackt Blut in den Beinen, die Muskel-Venen-Pumpe steht still. Wer dann schnell aufsteht, etwa für den Gang zur Toilette, dem kann kurz schwarz vor Augen werden. Menschen mit ohnehin niedrigem Blutdruck trifft das besonders leicht.

Gereiztes Gleichgewichtsorgan

Start, Landung, Kurvenflug und Turbulenzen senden dem Gleichgewichtsorgan Bewegungssignale, die nicht zu dem passen, was die Augen in der Kabine sehen. Dieser Widerspruch kann Schwindel und Übelkeit auslösen, die klassische Reisekrankheit (Kinetose).

Kreislaufschwindel oder Reisekrankheit?

Die Unterscheidung hilft bei der Wahl der richtigen Gegenmaßnahme:

  • Kreislaufbedingter Schwindel tritt vor allem beim Aufstehen oder nach langem Sitzen auf, oft mit Schwächegefühl oder Flimmern vor den Augen. Er bessert sich durch Hinsetzen, Trinken und Muskelaktivität.
  • Reisekrankheit macht sich eher durch Übelkeit, Blässe und kalten Schweiß bemerkbar, ausgelöst durch die Flugbewegungen. Sie bessert sich durch Blick auf einen ruhigen Fixpunkt, frische Luft und ruhiges Atmen.

Vor dem Flug

  • Ausgeschlafen und ohne Zeitdruck zum Flughafen, denn Stress und Schlafmangel machen schwindelanfälliger
  • Vor dem Flug leicht essen: keine schweren, fettigen Mahlzeiten, aber auch nicht nüchtern fliegen
  • Schon am Reisetag ausreichend trinken
  • Alkohol und übermäßig viel Kaffee vermeiden, denn beides fördert den Flüssigkeitsverlust
  • Bei bekannter Reisekrankheit: Sitzplatz über den Tragflächen wählen, dort sind die Bewegungen am geringsten

Während des Flugs

  • Regelmäßig Wasser trinken: als Faustregel etwa ein Glas pro Flugstunde
  • Beine aktiv halten: Füße kreisen, Zehen heben, Waden anspannen, am besten alle 30 Minuten
  • Aufstehen in Etappen: erst aufsetzen, kurz warten, dann langsam aufstehen und festhalten
  • Auf längeren Flügen gelegentlich ein paar Schritte durch den Gang gehen
  • Bei beginnender Übelkeit: Blick geradeaus auf einen festen Punkt richten, ruhig atmen, Luftdüse auf sanften Luftzug stellen
  • Kompressionsstrümpfe unterstützen auf Langstreckenflügen die Venen und beugen dem Versacken des Bluts vor

Nach der Landung

Gönnen Sie Ihrem Kreislauf einen sanften Übergang: langsam aufstehen, ausreichend trinken und sich nach langen Flügen etwas Bewegung an der frischen Luft verschaffen. Hält ein Schwindelgefühl nach der Landung länger als ein paar Stunden an oder tritt es bei jedem Flug heftig auf, lohnt sich eine ärztliche Abklärung, etwa um eine Störung des Gleichgewichtsorgans oder eine Kreislaufregulationsstörung zu erkennen.

Wann zum Arzt?

Ein kurzes Schwindelgefühl beim Fliegen ist meist harmlos. Ärztlich abklären lassen sollten Sie sich, wenn der Schwindel sehr stark ist, mit Ohnmacht, Herzstolpern, Brustschmerz oder Atemnot einhergeht, nach der Landung anhält oder Sie generell, auch am Boden, häufiger unter Schwindel leiden.

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Häufige Fragen

Warum wird mir im Flugzeug schwindelig?

Im Flugzeug kommen mehrere Faktoren zusammen: Der Kabinendruck entspricht etwa einem Aufenthalt in 2.000–2.400 Metern Höhe, die Luft ist sehr trocken, und langes Sitzen lässt Blut in den Beinen versacken. Dazu reizen Start, Landung und Turbulenzen das Gleichgewichtsorgan. Je nach Veranlagung reagiert der Körper darauf mit Schwindel oder Benommenheit.

Was hilft akut gegen Schwindel während des Flugs?

Trinken Sie ein Glas Wasser, atmen Sie ruhig und fixieren Sie mit den Augen einen festen Punkt. Spannen Sie die Bein- und Gesäßmuskulatur mehrmals an, um den Kreislauf zu aktivieren. Wenn möglich, stellen Sie die Luftdüse auf sanften Luftzug, denn frische Luft lindert Schwindel und Übelkeit oft spürbar.

Sollte ich mit Kreislaufproblemen überhaupt fliegen?

Ein niedriger Blutdruck ist in aller Regel kein Hindernis fürs Fliegen, die genannten Tipps machen die Reise aber deutlich angenehmer. Wenn Sie an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung leiden, kürzlich operiert wurden oder unter starkem, unklarem Schwindel leiden, besprechen Sie die Flugreise vorab mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin.

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Quellen & Hinweise

  • • Deutsche Gesellschaft für Neurologie – Leitlinien zu Schwindelstörungen
  • • Centrum für Reisemedizin (CRM) – Hinweise zur Flugreisetauglichkeit
  • • Medizinische Fachliteratur zu Kinetose und orthostatischer Hypotonie
  • • ¹ Schandry R. et al. Z Phytotherapie 2023;44(02):72–77
  • • ² Bose B. et al. Z Phytotherapie 2011;32:S1
  • • ³ Kroll M. et al. Phytomedicine 2005;12(6–7):395–402
  • • ⁴ Csupor D. et al. Phytomedicine 2019;63:152984
  • • Medizinisch geprüft durch Medizinischer Redakteur · Letzte Prüfung: 29. Juli 2026